Oktoberfest – Der 10er Tisch im Hippodrom

Seit 11 Jahren weiß ich nicht mehr, wie sich die 3 Wochen von Mitte September bis Anfang Oktober im normalen Leben anfühlen. Seit 11 Jahren arbeite ich im Hippodrom. Nein, ich gehöre nicht zu den Mädels, die die Krüge durch die Gegend schleppen. Ich arbeite weiter hinten an einem Schreibtisch.

Es ist jedes Jahr das Gleiche. So kurz vor der Wiesn hat man viele Freunde, die eine Woche  vor Beginn des Oktoberfestes unbedingt noch ein Bier mit mir trinken wollen.

Dabei ist es gar nicht so schwer einen Tisch im Hippodrom zu reservieren. Sogar fast eine Woche vor Wiesnbeginn gibt es noch Reservierungsmöglichkeiten.

Ein 10er Tisch für eine  Abendreservierung über *Normal* gebucht, kostet so um durchschnittlich 60€ bis 90€ je Person, d.h. 600€ bis 900€.  Der Preis beinhaltet in der Regel ein 3-Gang Menü und einige Maß Bier oder etwas Chamapgner. Es gibt da verschiedene Angebote.

Bei der Firma Tab Ticketbroker kostet schon so ein Tisch rund 4.400 € lt. Preisliste vom März 2013.  In diesem Preis ist der Verzehrvoucher von 900€ includiert.  Ticketbroker2Will man einen bestimmten Bereich reservieren, zahlt man 350€ pauschal dazu. Ticketbroker kann natürlich zu diesem Zeitpunkt keinerlei Zusagen über Reservierungsbereiche geben, da das Hippodrom nie Zusagen für bestimmte Bereiche in ihren Reservierungsschreiben versendet. Die Firma sagt auch zu Tische teilen zu können,  ohne zu wissen, welches Chaos sie damit im Zelt anrichtet, Ticketbroker1da jede Bedienung eine 10er Gruppe erwartet und dann plötzlich 5 Einzelzahler am Tisch sitzen. Das kriegen die schon hin, denken sie. Wer schon einmal im Hippodrom war, weiss,  wie es zum Reservierungswechsel aussieht, wenn die Bedienungen losrennen, um in kürzester Zeit die Gäste abzukassieren, die Station zu säubern und die Tische neu einzudecken. Viele Gäste wollen noch bleiben und die neu angekomenen warten darauf, endlich ihre Plätze einnehmen zu können. Eine echte Herausforderung  für alle Beteiligten.

Ebay ist fast genau so teuer. Da zahlt man für einen Tisch 1320 € (1 Tag vor Auktionsende), der bei einer regulären Nachmittagsreservierung  320€ kosten würde.

ebay1ebay2Schade, dass der Verkäufer seine Reservierung nicht selber wahrnehmen konnte. Der schnelle Gewinn von mehr als 1000€ wird ihn trösten. Dabei weiss ja der wahrscheinliche glückliche Käufer nicht mal, ob er einen Originalvoucher  bekommt oder der Verkäufer den Voucher dreimal oder 5 mal verkauft hat. Das Chaos, wenn dann auf einmal 2 oder 3 Gruppen vor dem einem 10er Tisch stehen. Derlei Überraschungen erleben wir jedes Jahr. Gewonnen hat dann derjenige, der den Originalvoucher bei der Bedienung  in Zahlung gibt. Für alle anderen wird es ein trauriges Erlebnis. Eine Menge Kohle gezahlt und kein Plätzchen in der Box oder auf der Galerie.

Streng genommen ist jede Reservierung kostenlos. In fast allen Zelten, so auch im Hippodrom ist aber jede Reservierungszusage an einen Mindestverzehr gebunden. Pro Person werden also Gutscheine oder Wertmarken  verkauft (bei uns Voucher), die nur für die jeweilige Reservierungstermine gültig sind und die im Vorfeld bezahlt werden, ähnlich wie bei Theaterkarten.

Dieses Jahr stehen in allen großen Zelten insgesamt ca.150.000 mehr reservierungsfreie Plätze zur Verfügung als im Vorjahr. Ein Viertel aller genehmigten Plätze im Zelt dürfen an Wochentagen nicht mit Reservierungen belegt werden. An Samstagen, Sonntagen und am Feiertag bleiben bis 15 Uhr die Hälfte aller Plätze reservierungsfrei, danach müssen es 35 % sein. So gesehen, hat man wirklich eine reele Chance auf ein schönes Plätzchen. Das  Wiesenbarometer  gibt es eine grobe Richtlinie, wie es so aussieht mit den Reservierungsmöglichkeiten.

Früher hat mich das Oktoberfest überhaupt nicht interessiert. Ich weiss nicht genau, wie es ist, dort zu feiern. Das habe ich noch nie gemacht. Aber ich mag das Hippodrom mit der unglaublichen Lebensfreude, die es herbei zaubert.  Ich freue mich nächste Woche ins Zelt zu kommen und Familie Krätz,  Gerd, Eva, Kerstin, Biber und all die anderen zu begrüßen  – als wäre ich  das ganze Jahr nicht  weg gewesen.

Ein Freund sagte vor dem 1. Mal zu mir, entweder du wirst es hassen oder lieben. Dieses Jahr bin ich das 12. Mal dabei.:-)

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Neue Räume für neue Musik oder Ist es im Bahnhof nicht zu laut, um Musik aufzuführen?

IMAG6766Der City Night Line 172 fährt von Amsterdam nach Prag. Ich habe 2 Tickets für ein Vierer-Damenabteil, die Liegen unten. Nein, ich wiege nicht 150 kg, normalerweise benötigt man auch nur eins. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Zug fährt schon  eine halbe Stunde als auch die letzten Fahrgäste ihr Gepäck verstaut und ihre Liege gefunden haben. Das Damenabteil ist kein Damenabteil, das Viererabteil ist ein Sechser, die Toiletten in dem Wagon sind gesperrt. Macht ja nix. Man weiss ja, dass man mit Fremden die Nacht verbringt. Nachdem wir alle fast eingeschlafen sind, kommt der freundliche Mitarbeiter der DB und kontrolliert die Tickets.

Das verzeihe ich alles der Deutschen Bahn, hatte ich doch vor Einstieg ein wunderbarer Erlebnis im Berliner Hauptbahnhof.

Ich bin fast eine Stunde früher da. Gegen Mitternacht ist der Bahnhof menschenleer.

DAS HABE ICH GEDACHT.

Schon beim Verlassen der S-Bahn steigen mir die Töne der Musik leise ins Ohr und ich kann nicht lokalisieren, wo sie herkommen. Ich bewege mich zur Mitte des Bahnhofes und die Musik zieht mich immer mehr an. Ich traue meinen Augen kaum. Menschen, teilweise festlich schwarz gekleidet tanzen Tango mitten im Berliner Hauptbahnhof. Ich platze mitten in eine Milonga.

Es ist der Eröffnungsabend des Festivals Ankunft: Neue Musik.


Das Festival ist ein Projekt der Zeitgenössischen Oper Berlin in Zusammenarbeit mit DB Station & Service und der Werbegemeinschaft Berliner Hauptbahnhof. Vom 28. August bis zum 7. September gibt es im Berliner Bahnhof  Konzerte, Opern, Filme und Performanes. Zu unterschiedlichen Tageszeiten an unterschiedlichen Orten begegnen Menschen zufällig der Kunst im Alltag.

Ihr müsst ja nicht unbedingt mit dem City Night Liner fahren. Aber vom Zug direkt auf die Tanzfläche und in die Oper – ist ein einmaliges Erlebnis. Ich bin begeistert.

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Zurück in die Zukunft :-)

Matthi ist Vergangenheit und Zukunft und ein Freund und wir wollen nach Florida. Auch Florida ist Vergangenheit und Zukunft.

Matthi kommt aus Stuttgart Hbf mit ICE 616 1 Sitzplatz, Wg. 21, Pl. 41, 1 Fenster, Großraum – und ich steige 5.50 Uhr in den Zug nach Frankfurt. Ich bin 16 Minuten früher da. Das sollte reichen für mich, um den richtigen Bahnsteig zu finden. Wir wollen früh da sein zum Checkin in Frankfurt. Wir fliegen diesmal nicht Airberlin, sondern mit US-Airways und auch mit einem Stop. Das Ganze kostet uns dann pro Person 300 € weniger, allerdings brauchen wir etwas mehr Zeit. Davon haben wir ja zur Zeit reichlich und in Charlotte waren wir ja auch beide noch nicht. Charlotte  ist auch die Frau von John Frau von Johnund eben dieser Flughafen in North Carolina.  FH Charlotte

Ohne Nachzudenken haben wir unsere Flüge einzeln gebucht, so dass wir nun natürlich auch nicht zusammen sitzen werden. Deshalb der frühe Start zum Flughafen, vielleicht gelingt es ja noch, die Plätze zu tauschen, nicht miteinander, aber so, dass wir zusammen sitzen können.

Die Dame am Airways-Schalter ist noch nicht ganz munter und knurrt uns etwas unlustig an. Die Platztauschfrage beantwortet sie mit: „Die Maschine ist ausgebucht“, es werde schon Geld geboten, wenn  man einen Tag später fliegen würde und sowieso müsse sie uns erst einmal einchecken. Matthi setzt sein schönstes Lächeln auf, klimpert mit den Augen und nun hatte sie auf einmal doch 2 Plätze gefunden. Matthi tauschte nun von Platz 40 auf Platz 14 Gang und den Rest sollten wir dann direkt im Flieger klären.  Der Flughafen Charlotte wäre zwar nicht groß, aber trotzdem sind 1:35 h sehr wenig Zeit in Amerika für´s Umsteigen. Zwei Stunden müsse man da schon einplanen. Wir müssten ja auch noch auf das Gepäck warten. Die Kollegin am Nachbarschalter reicht ihr Brillenputztuch an  *unsere* Betreuerin weiter und als ich frage: „Darf ich es auch noch haben?“ schießt die Stimmung der Ladies geradezu in die Höhe Richtung Himmel.  Jetzt habe ich den ultimativen Durchblick und nun hat sie uns geradezu lieb gewonnen und pflastert kurzentschlossen 2 Priority-Aufkleber auf unsere Koffer, damit diese als erstes auf das Band geschmissen werden. Wir versprechen ihr ein Foto von unserem ersten Drink auf floridanischem Boden und verabschieden uns mit positiven Wellen. Für sie ist nun der Tag nun in Ordnung, für uns sowieso! Jeden Tag eine gute Tat. Haben wir nun abgehakt.

Im Flieger trennt sich dann Matthi von seiner Nachbarin auf Reihe 14, obwohl diese schwäbische Wurzeln hat und Stuttgart mehr liebt als jeden Ort der Welt. Es muss ihm sehr schwer fallen, wenn ich an seine bedingungslose Hingabe zu Stuttgart denke. Jedenfalls kommt er noch vor dem Frühstück nach Reihe 20 und nun haben wir Zeit zu quasseln und so.

In Charlotte landen wir 25 Minuten früher, die Immigration ist schmerzfrei, 4 Finger der rechten Hand und keinen Thumb, mal kurz in die Linse geblinzelt und nicht ein Frage nach Urlaub oder Gemüsemitbringsel im Gepäck.

Unsere Koffer werden natürlich nicht bevorzugt behandelt, kommen aber trotzdem relativ fix aus dem großen schwarzen Loch in der Wand. Ich verstaue meinen in einer versiegelten Tüte befindlichen Schnaps im Koffer. Wir müssen ja erneut durch den Security-Check und die Amis sehen die verplombten Beutel nicht als sicher genug an. Matthi hat seinen Schnapstüte noch in der Hand als wir unsere Koffer nun wieder abgeben. Kurz bevor seiner auf dem schwarzen Gepäckband verschwindet, fällt ihm das dann auch auf. Flüssigkeiten über 100 ml geht ja nun mal nicht im Handgepäck. Die Sicherheitsbestimmungen sind da eineindeutig.

Er schreit leise die Mädels hinter dem Gepäckband an und eine springt auch. Sie weiss allerdings nicht welchen Koffer Matthi meint. Left, the left brüllt er nun das Mädel am Band an, die die Spannweite ihrer Arme völlig ausnutzt und breitarmig auf 2 Koffern ihre Hände liegen hat.  Sie hat es geschafft und freut sich über ihren Erfolg. So einfach macht man Menschen glücklich, denk ich. Matthi verstaut den Schnaps im Koffer, wir bedanken uns artig, blödeln noch ein wenig mit den Mädels rum, erörtern kurz die Konsequenzen, wenn wir die Flasche hätten austrinken müssen und weiter geht es zum Security Check.  Wir stehen und warten und stehen und warten und dann sitzen wir aber glücklich am Gate und haben noch 15 Minuten Zeit bis zum Bording.

Die alte Klappermaschine kenne ich nur von Flügen vor 20 Jahren mit Hungarian Airlines. Macht nix, wir landen pünktlich. Nur einer hat es nicht geschafft. Mein Koffer! Er liegt einfach nicht auf dem Band.

Die Lady von lost&found in Fort Myers scannt meinen Gepäckabschnitt und meint, der Koffer käme 2 Stunden später mit der nächsten Maschine. Nach Austausch der Telefonnummern, Angabe unserer Adresse und einer Bestätigung über das verlorene Stück fahren wir zu Rib City. Der Koffer soll heute Abend noch nachgeliefert werden. Ich freu mich über den Service. Später stelle ich fest, dass fast alle Fluggesellschaften verlorene Koffer nachliefern. Rib City hält, was es immer versprochen hat und das Bier kostet heute nur einen Viertel Dollar. Als wir einige Stunden später in der Villa Villa ankommen ist der Koffer trotzdem nicht da. Die versprochenen 2 Stunden Nachlieferfrist sind vorbei. Ich ziehe eine Shirt von Matthis Freund an und ansonsten denk ich, das kann ja mal ganz toll werden, so ohne Klamotten. Der Gesetzgeber schreibt eine Entschädigung bis max. bis 1300 € je Koffer vor. Die ersten davon gedenke ich gleich auszugeben für die notwendigsten Toilettenartikel. Heimlich überlege ich, was mir lieber wäre, mir neue Klamotten zu kaufen oder den Koffer zurück zu bekommen. Ich entscheide mich für den Koffer, heimlich, versteht sich.

Musste ich eigentlich nun nicht. Am nächsten Morgen ist der Koffer da. Ich kann mich entspannen.

 

 

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Florida – Part VI (the end)

Tja, nun bin ich 5 Uhr schon wach und die Kaffeemaschine blubbert vor sich hin. Es ist alles drin im Koffer, die Schuhe allerdings mussten mit ins Handgepäck. Ich weiss nicht, ob denen das gefällt, aber von Fussgepaeck hab ich noch nichts gehört.
Die Luftfeuchtigkeit ist ziemlich hoch heute morgen.
Carmen sagt, gefühlte 95% im Sommer und wir haben ja erst Frühjahr hier. Der Käfig, der den Pool vor wilden Tieren beschützt ist völlig nass, als hätte es geregnet.
Man glaubt es nicht, es gibt eine Menge Getier hier. Bei der Villa April sind die personalisiert, jedes Tier hat einen Namen, man kennt sich sozusagen, sagt KGP.
Cape Coral wird auch Stadt der Lagune oder Venedig von Amerika genannt, weil die Stadt ein 400 Meilen Kanal-Netzwerk hat. Ein Teil dieser Kanäle hat sogar Zugang zum Golf von Mexiko. Ein kleines Boot hier würde also durchaus Sinn machen ;-). Ich schmunzle vor mich hin beim Schreiben des letzten Satzes.
Anyway, nach dem morgendlichen Tauchgang setz ich mich ins Auto und fahre Richtung Del Prado ins Büro. Alles wie immer.

Heute kein Support in Cape Coral.
Wir machen ein Abschlussmeeting HH, Carmen und ich.
Es ist aufregend und spannend wie vor einer Woche.
Die Fragen sind nicht weniger geworden, nein es werden mehr. Das ist normal, der Blickwinkel erweitert sich stetig bei allen. Und die Lösung eines Problems wirft gleich wieder 10 neue auf. Das ist immer so, wenn man wächst.
HH hat Herrn Müller eingeladen. Herr Müller makelt in Florida. Wer Herrn Müller sieht, nein lassen wir das. Es gibt mit Sicherheit Menschen, die ihn aufgrund seines absolut spiessigen Aussehen unterschätzen oder ihn vielleicht sogar lächerlich finden. Chapeau, ich hab die ganze Zeit an seinen Lippen gehangen. Das war ein Crashkurs über amerikanische und regionale Besonderheiten. Einwohner, Anwohner, Gepflogenheiten, Politik und wie Menschen hier ticken.Ich könnte ihm stundenlang zuhören.
Leider war das nicht möglich. Ich hab nicht mal den Rechner runter gefahren. Die typischen 2 Finger zum Victory-Gruss in Richtung HH hebend, verlasse ich den Parkplatz vom Buero Del Prado und im Radio lauft Maggie May von Rod Stewart.

Nun sitze ich hier am Gate B1 und warte und wünsche mir, dass der Flieger schneller fliegt.
Ich freu mich auf Köln, auf zu Hause, auf euch und eigentlich ist nichts passiert, wenn man in jedem Tag das Besondere erkennen kann.
Der ganz normale Wahnsinn geht weiter.
Bis gleich dann in der ….

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