Neue Räume für neue Musik oder Ist es im Bahnhof nicht zu laut, um Musik aufzuführen?

IMAG6766Der City Night Line 172 fährt von Amsterdam nach Prag. Ich habe 2 Tickets für ein Vierer-Damenabteil, die Liegen unten. Nein, ich wiege nicht 150 kg, normalerweise benötigt man auch nur eins. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Zug fährt schon  eine halbe Stunde als auch die letzten Fahrgäste ihr Gepäck verstaut und ihre Liege gefunden haben. Das Damenabteil ist kein Damenabteil, das Viererabteil ist ein Sechser, die Toiletten in dem Wagon sind gesperrt. Macht ja nix. Man weiss ja, dass man mit Fremden die Nacht verbringt. Nachdem wir alle fast eingeschlafen sind, kommt der freundliche Mitarbeiter der DB und kontrolliert die Tickets.

Das verzeihe ich alles der Deutschen Bahn, hatte ich doch vor Einstieg ein wunderbarer Erlebnis im Berliner Hauptbahnhof.

Ich bin fast eine Stunde früher da. Gegen Mitternacht ist der Bahnhof menschenleer.

DAS HABE ICH GEDACHT.

Schon beim Verlassen der S-Bahn steigen mir die Töne der Musik leise ins Ohr und ich kann nicht lokalisieren, wo sie herkommen. Ich bewege mich zur Mitte des Bahnhofes und die Musik zieht mich immer mehr an. Ich traue meinen Augen kaum. Menschen, teilweise festlich schwarz gekleidet tanzen Tango mitten im Berliner Hauptbahnhof. Ich platze mitten in eine Milonga.

Es ist der Eröffnungsabend des Festivals Ankunft: Neue Musik.


Das Festival ist ein Projekt der Zeitgenössischen Oper Berlin in Zusammenarbeit mit DB Station & Service und der Werbegemeinschaft Berliner Hauptbahnhof. Vom 28. August bis zum 7. September gibt es im Berliner Bahnhof  Konzerte, Opern, Filme und Performanes. Zu unterschiedlichen Tageszeiten an unterschiedlichen Orten begegnen Menschen zufällig der Kunst im Alltag.

Ihr müsst ja nicht unbedingt mit dem City Night Liner fahren. Aber vom Zug direkt auf die Tanzfläche und in die Oper – ist ein einmaliges Erlebnis. Ich bin begeistert.

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