Vom Prinzip der begrenzten Schlampigkeit

Ich habe mich beworben. Allein durch die eingereichten Bewerbungsunterlagen wird die Notwendigkeit sichtbar, die eigentlich nichts mit meinem Lebenslauf zu tun hat. Ich habe also die Bedingungen dafür geschaffen, damit sich etwas Neues ereignen kann. Wirklich neu ist nur das, was ich gerade nicht voraussagen kann. Ich bin so jemand, der zum Fußball gehen würde, nur weil er vorher nicht weiß, wie es ausgeht oder ausgehen könnte.

Als ich vor einigen Jahren nach Köln kam, war ich schon der Meinung, dass meine nächste Station Hamburg oder Berlin sein wird. Nun stellt sich vielleicht eine Situation ein,  die ich nicht wirklich forciert habe, aber die mir auch nicht einfach passiv widerfährt. Ein Mangel wird produktiv und gibt meinem Leben vielleicht eine unerwartete Wendung. Ich liebe es mich auf einen nach vorne offenen Horizont zu bewegen, ohne zu wissen, an welcher Stelle ich mich nach gewisser Zeit befinden werde.

Kann nicht jeder, muss auch nicht jeder. Ich befinde mich gerade wieder an einem meiner von mir so geliebten Tippingpoints. Ich mag den Zufall, Zufallden es ja eigentlich nicht gibt. Alles, was so oder auch anders der Fall sein kann, also nicht mit Notwendigkeit festgelegt ist. Es gibt eine Notwendigkeit für den Zufall und ich mache ihn mir meistens nutzbar. Ein wichtiger Punkt dabei ist vertraut zu sein, mit den Dingen mit denen man umgeht. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, für das was am Rande des Weges passiert. Überall gibt es Nebengeräusche und Störungen, die man ausblenden oder aber eben auch ernst nehmen kann. Ich habe ein  Gefühl dafür, was ich getrost ignorieren, und für das, was ein wesentlicher Hinweis sein kann. Und dann gehört noch das Prinzip der begrenzten Schlampigkeit dazu. Wenn man Prozesse extrem stark kontrolliert und sehr eng führt, kommt am Ende nichts mehr dabei heraus. Das gilt für Kindererziehung, Mitarbeiterführung, Wissenschaft, Wirtschaft und besonders  auch für Politik gleichermaßen. Natürlich weiß ich das Rauchen schädlich ist. Aber wieso hat die Politik nichts Besseres zu tun, als ihre Bürger wie Kinder zu behandeln und uns unsere kleinen Freuden des Lebens Rauchen, Trinken und übermäßiges Essen zu verbieten? Eine Politik, die dem einzelnen Bürger lächerliche Vorschriften macht und auf der anderen Seite Jugendarbeitslosigkeit und Massenarmut hervorbringt und Menschen dazu bringt, dass sie unter dem Begriff  Freiheit rauchfreie Kneipen, beruhigte Plätze und Gespräche ohne sexuelle Andeutungen verstehen?

Ich bin erwachsen. Ich kann das ertragen. Ich sterbe nicht sofort, wenn mir der Rauch einer Zigarette in die Nase steigt oder wenn die Familie neben mir auf dem Balkon ein Lamm grillt oder der Typ im 3. Stock die ganze Nacht Trompete bläst. Ich kann das Glück der anderen als etwas Teilbares erleben. Damit sind wir beim Thema sharing. Das mag ich auch.

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